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Das nächste Spektakel

Fünf Tore, zwei rote Karten und eine Ganzkörperbierdusche: Was bereits nach der ersten groben Bestandaufnahme auf einen kernigen Fußballabend schließen lässt, wird für den SC Wiedenbrück umso positiver, da bei dem 3:2 (2:1) Sieg über den SV Westfalia Rhynern alle drei Punkte an der Rietberger Straße verbleiben und damit die Tabellenführung mindestens eine weitere Woche an den SCW geht. Einziger, wenn auch gravierender Wehrmutstropfen: Viktor Maier erhielt vom guten Schiedsrichter Waldemar Stor nach einer knappen Stunde die rote Karte und wird damit in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen.

 

Björn Mehnert hatte vor der Partie gegen seinen Ex-Club seine Mannschaft kräftig umgebaut: Lukas Demming startete hinten links, vor ihm sollte Viktor Maier wirbeln, Phil Beckhoff übernahm den rechten Flügel und in der Spitze gab der 18jährige Lucas Klantzos sein Debüt. Zudem verpasste unser Coach seiner Elf mit Oliver Zech und Daniel Brinkmann eine stabile defensive Achse, die hinter Xhuljo Tabaku das Zentrum schließen sollte.

 

Die 430 Zuschauer hatten sich bei bestem frühwinterlichem Wetter gerade so richtig aneinandergekuschelt, da stürmte Viktor Maier nach einem weiten Ball von Aday Ercan frei auf das Gästetor zu und wurde außerhalb des Strafraums von Alexander Hahnemann verhältnismäßig rabiat umgerüpelt, so dass Schiedsrichter Stor nichts anderes übrig blieb, als Hahne die rote Tapete zu zeigen und sein Comeback im Jahnstadion nach zwölf Minuten auch schon wieder zu beenden.

 

In Überzahl legten sich unsere Jungs die Westfalia passend zurecht und gingen nach 27 Minuten durch Xhuljo Tabaku in Führung, der eine starke Vorarbeit von Lukas Demming im zweiten Versuch zum 1:0 über die Linie jagte.

 


Geschickt eingefädelt – Lukas Demming schnappte sich gestern Abend zwei Scorerpunkte

 

Was da aber alles so in den Gästen schlummert, zeigte Lennard Kleine grob zehn Minuten später, als er mit dem ersten echten Angriff gleich drei Gegenspieler im Strafraum stehen ließ und trocken zum 1:1 Ausgleich eincheckte.

 

So richtig verklungen war der Jubel, der gut 40 Gästefans, die sich auf der Anreise aus Rhynern einen anständigen (Lärm-) Pegel angearbeitet hatten und ihre Mannschaft über die volle Spielzeit fantastisch unterstützten noch nicht, da legte „Paschi“ auch schon die wieder Nadel auf den Schallplattenspieler, um den Wiedenbrücker Tordschingel durch die Boxen raus in den Nachthimmel zu wummern. Denn da war Aday Ercan nach einem Eckball zur Stelle und schickte das Spielgerät zum 2:1 ins Netz.

 

Waren jetzt eigentlich alle Stellschrauben für einen lässigen Ausklang des noch jungen Abends gestellt, so nahm das Geschehen nach einer Stunde nochmal eine abrupt andere Wendung: Denn da streckte Viktor Maier seinen Gegenspieler gut 120 Meter vor dem eigenen Tor mit der etwas größeren Sense zu Boden und kassierte dafür ebenfalls einen glatten Platzverweis.

 

 

 


Teuer bezahlter Sieg – Viktor Maier wird in den nächsten Wochen dem SC Wiedenbrück sehr wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen.

 

Im hörbar aufgewühlten Jahnstadion sorgte nur drei Minuten später der eingewechselte Luei Omar für eine vorübergehende Beruhigungspille. Nach einer bärenstarken Vorarbeit von Lukas Demming klemmte er die Kugel unten rechts ins Eck und drehte anschließend direkt ab vor den Fanblock der Gäste, wo er sich die wohlverdiente Bierdusche abholte und fortan mit einem Eau de Hohenféldér – Duft über den Platz stiefelte.

 

Sie haben eine neue Freundschaftsanfrage – Luei Omar gewann kurz nach seinem Treffer zum 3:1 nicht nur die Herzen, sondern auch das Becherpfand der Gästefans.

 

Die letzte Wendung war das aber auch noch nicht, denn nach 77 Minuten besorgte Lennard Kleine mit seinem bereits 10. Saisontreffer den erneuten Anschluss und machte so das Spiel nochmal komplett verrückt.

 

Nachdem Luei Omar nach Vorarbeit von Xhuljo Tabaku den Matchball aus wenigen Zentimetern nur knapp verpasste, blieb aber (zum Glück) auch ein Hagel an Eckbällen in den Schlussminuten ohne zählbare Folgen für unsere Mannschaft, so dass es am Ende bei einem ebenso knappen wie spektakulären 3:2 blieb.

 

Im Gegensatz zu den Fußballfans, die einen mitreißendes Flutlichtspiel gesehen hatten, war Björn Mehnert nicht ganz okay mit dem Abend: „Wir hätten das Spiel sehr viel deutlicher gestalten und in Überzahl die Entscheidung herbeiführen müssen. Wir waren in einigen Bereichen aber nicht am Limit und haben dann am Ende sogar noch etwas Glück gehabt“.

 

Deutlich besser machen können es seine Jungs bereits am kommenden Mittwoch im Kreispokal beim FC Gütersloh, wenn dazu im Heidewald um 19:30 Uhr der Anpfiff ertönt.

 

In der Liga geht es dann Sonntag mit einem Auswärtsspiel beim 1. FC Kaan – Marienborn weiter, Anstoß auf dem Kunstrasenplatz in Kaan ist um 14:30 Uhr.