17.11.2017 - 2:0 in Rödinghausen

Wiedenbrück auf drei

An einem komplett verrückten Fußballabend gewinnt der SC Wiedenbrück beim SV Rödinghausen mit 2:0 (0:0) und springt damit auf den dritten Tabellenplatz. Nach dezentem Start nahm die Partie erst Tempo auf, als Simon Engelmann mit einem Foulelfmeter an Marcel Hölscher scheiterte (39.). Nachdem die Gastgeber in der zweiten Hälfte dann gleich mehrfach die Führung verpassten, vollendeten Neco Mohammad und Geburtstagskind Stipe Batarilo zwei eiskalt vorgetragene Konter zu zwei späten Treffern (86. & 90.+2) und machten damit den fünften Wiedenbrücker Auswärtssieg in dieser Saison perfekt.

 

Dass die Partie zum Ende noch komplett explodieren würde, war indes lange Zeit nicht absehbar gewesen. Denn in Halbzeit eins egalisierten sich beide Teams nahezu komplett. Während Björn Mehnert ohne etatmäßigen Stürmer im Kader auf so etwas wie eine variable, offensive Viererkette setzte, in der Stipe Batarilo, Toni Celik, Kresimir Matovina und Neco Mohammad ständig die Positionen wechselten und im Spiel gegen den Ball bissig den Rödinghausener Spielaufbau lahm legten, verzichtete Alfred Nijhuis komplett auf Pressing in des Gegners Hälfte und ließ seine Jungs vermehrt über Positionsspiel den Weg in die Offensive einschlagen.

 

SV Roedinghausen - SC Wiedenbrueck
Plan aufgegangen – Die Idee von Björn Mehnert, Aygün Yildirim nicht positionsgetreu zu ersetzen, sondern dafür eine wilde Bande an quirligen Offensivspielern ins Rennen zu schicken, ging zum Ende auf. Stipe Batarilo überzeugte in der Offensive, warf aber auch seine bekannten Definsivqualitäten in die Waagschale.

 

Einzig Stipe Batarilo, der einen Schuss über das Tor von Niklas Heimann setzte (14.) und Simon Engelmann, der mit seinem Hieb nur die imposante Werbebande traf (18.) ließen zumindest einen Hauch von Torgefahr durch das bitterkalte Häcker Wiehenstadion wehen.

 

Ein erstes Indiz, dass der Fußballabend kein gewöhnlicher werden würde, bekamen die knapp 1.000 Zuschauer nach 38. Minuten vorgetragen. Denn da rüpelte Robin Twyrdy den enteilten Marius Bülter derart unsanft aus seinen Fußballschuhen, dass Schiedsrichter Florian Heien auf den Elfmeterpunkt zeigte. Simon Engelmann lief an und: Scheiterte an einem unfassbaren Reflex von Marcel Hölscher, die Kugel aus dem linken Eck boxte, von wo der Ball aber erneut zu Engelmann zurücksprang. Dort gelang es, dem an sich so treffsicheren, Rödinghausener Sturmführer das Kunststück, das Spielgerät aus gefühlten vier Metern nur an den Außenpfosten zu setzen.

 

SV Roedinghausen - SC Wiedenbrueck
Den hatt’a – Marcel Hölscher war bis zum Elfmeter nahezu beschäftigungslos und konnte sich dann gut ausgeruht dem Schuss von Simon Engelmann widmen.

 

Kurz danach war Halbzeit, Schwarzblau schlich mit einem blauen Augen in die Kabine und bekam schnell nach der Pause die ein oder andere weitere Schramme verpasst. Denn bei adipösen Chancen verpassten es der frei gespielte Björn Schlottke (Hölle hält im 1:1) genauso wie Simon Engelmann, der nach einem Freistoß erneut den Pfosten traf, die Hausherren in Führung zu bringen.

 

In der unfassbarsten Szene des gesamten Abends grätschte dann noch Jeffrey Volkmer den vor dem komplett leeren Tor einschussbereiten Tim Steffen ab und hielt so seine Elf auf Kurs.

 

SV Roedinghausen - SC Wiedenbrueck
Schuhgröße 49,5 – Mit langem Bein und noch längerem Fuß klärt Jeffrey Volkmer hier gegen Tim Steffen. Die exorbitante Schußgröße ist hier nicht nur ein Segen für den SC Wiedenbrück, auch die Jamaikanische Kanu – Nationalmannschaft zieht daraus seinen Nutzen: Werden die imprägnierten Schuhe dort doch als Übungsboote für den jamaikanischen Kanunachwuchs verwendet.

 

Verbunden mit der Einwechslung von Carsten Strickmann gelang es unserer Mannschaft dann wieder mehr Stabilität in ihr Spiel zu bekommen und nun auch die Lücken hinter der aufgerückten Rödinghausener Viererkette zu nutzen. Im ersten Anlauf stürmte dann gleich mal Toni Celik völlig auf das Rödinghausener Tor zu, legte den Ball aber noch knapp am langen Pfosten vorbei (76.), dann klatschte Niklas Heimann einen Schuss von Marvin Büyüksakarya nach vorne ab und Carsten Strickmann’s Schuss wurde auf der Linie geklärt (79.).

 

Schienen die Tore zu diesem Zeitpunkt für beide Mannschaften wie vernagelt, so fand Neco Mohammad vier Minuten vor Ende die entscheidende Lücke, als er die Kugel mit einem listigen Schlenzer unter Heimann’s Handschuhe hinweg zur brachial gefeierten Wiedenbrücker Führung ins Netz schlingelte (86.).

 

SV Roedinghausen - SC Wiedenbrueck
Wer soll ihn aufhalten? Neco Mohammad führte zahllose Zweikämpfe, musste mehrfach minutenlang behandelt werden und hatte am Ende immer noch genug Kraft und Präzision um die Kugel zum 1:0 im Netz zu verstauen.

 

Gegen nun in Schockstarre befindliche Gastgeber setzte in der zweiten Minute der Nachspielzeit der bärenstarke Kresimir Matovina zum nächsten Konter an, legte passgenau für Stipe Batarilo ab, der im Zentrum keine Mühe hatte sein Geburtstagsgeschenk auszupacken und mit dem 2:0 den Deckel auf den Abend zu schrauben.

 

SV Roedinghausen - SC Wiedenbrueck
Jawollo – Björn Mehnert freut sich mit Marvin Büyüksakarya über den famosen Sieg in Rödinghausen.

 

Mit diesem Sieg springt unsere Elf zum Start in den zweiten Saisonteil auf einen fantastischen dritten Tabellenplatz und hat am kommenden Freitag im Nachholspiel bei Westfalia Rhynern (Anstoß 19:30 Uhr am Papenloh) die Chance auf weitere Regionalligapunkte.