03.04.2021 -

Szeleschus mit dem letzten Schuss

Wenn die kritischsten Kritiker noch ein Haar in der Suppe der Wiedenbrücker Regionalliga Saison 20/21 hätten finden wollen, dann wäre es wohl die bislang durchschnittliche Punktequote im Jahnstadion gewesen. Heute Nachmittag hat sich unsere Mannschaft diesem Manko dann aber auch auf spektakulärste Art und Weise entledigt, als Niklas Szeleschus in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:1 gegen RW Oberhausen erzielte und damit eine komplette Eskalation auslöste. Zuvor hatte Hendrik Lohmar in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit seine Jungs per Foulelfmeter in Führung gebracht und Tanju Öztürk hatte zwischenzeitlich per Kopf ausgeglichen.

 

Dass es gegen individuell brachial stark besetzte und in weiten Phasen auch richtig gut kickende Oberhausener zu einem Sieg reichte, war dann aber doch ein etwas härteres Stück arbeit.

 


Die Ganzkörper – Klinge ausgefahren – Bjarne Pudel bringt den flinken „Junior“ Oubeyapwa kurz vor dem Strafraum zu Fall und sieht anschließend die gelbe Laterne.

 

Die über den bärenstarken Tanju Öztürk aus einer Dreierkette aufbauenden und dann über den Ex-Verler Bastian Müller schnell kombinierenden Gäste bestachen nicht nur durch ein sehenswertes spielerisches Element, sondern warfen auch eine kantige Physis in die Partie, mit der sie unsere Elf in der Anfangsphase das ein oder andere Mal übrrumpelte.

 

Denn nach einer guten Wiedenbrücker Anfangsviertelstunde, in der Oliver Zech nach einem Beckhoff – Freistoß knapp über das Tor köpfte und Bjarne Pudel einen Kopfballtreffer in vermeintlicher Abseitsstellung erzielte, kamen die Gäste immer besser ins Rollen prüften Marcel Hölscher aus Nahdistanz gleich zwei Mal und zielten durch Torjäger Sven Kreyer nur knapp über das Tor.

 


Verhältnismäßig viel Fantasie – Sollte man an den Tag legen, um sich vorstellen zu können, dass hier zum Zeitpunkt der Ballabgabe eine Abseitsstellung von Bjarne Pudel vorgelegen haben soll.

 

Nach gut einer halben Stunde und nach der Umstellung von einem 4:3:3 auf ein (formal) defensiveres 5:4:1 wurden die Angriffe unserer Mannschaft dann aber wieder griffiger und die Konteraktionen zielgerichteter.

 


Tückisch aber ohne Ertrag – Basti Müller mogelt den Freistoß unter der hochspringenden Mauer hindurch in Richtung Tor, wo Marcel Hölscher aber keine Mühe hatte den vorösterlich hoppelnden Ball aufzunehmen.

 

So stürmte nach 37 Minuten David Hüsing im 1:1 auf Oberhausens – Fänger Robin Benz zu, traf aber leider nur das am kurzen Pfosten montierte Netz von außen.

 

Sekunden vor dem Halbzeitpfiff eine ähnliche Szene. Da hatte Phil Beckhoff seinem Gegenspieler Dominik Reinert zunächst ein erstklassiges Knötchen in die Beine gedribbelt, wurde dann aber doch noch vom Oberhausener Linksverteidiger im Strafraum zu Boden gebracht, was den gedankenschnellen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Florian Visser zur Folge hatte.

 


Hast Du auch den Pfiff gehört? Phil Beckhoff und Dominik Reinhardt haben beim Elfmeterpfiff vom Feeling her grundsätzlich andere Gefühle.

 

Hendrik Lohmar trat an und wemste die Kugel nach bewährtem Muster sachlich, fachlich zum 1:0 ins Eck (45.).

 


Zack Bumm. Drin der Fisch – Hendrik Lohmar behält seine 100% Elfmeterquote und schickt Robin Benz ins falsche Eck.

 

Nach dem Seitenwechsel erwischten zunächst die Oberhausener den besseren Start und Oliver Zech musste bei der größten Chance der Gäste den einschussbereiten Turgul Erat im Fünfmeterraum artistisch blocken, um den Ausgleich zu verhindern (62.).

 

Mit dem nächsten Angriff klingelte es dann aber doch im Wiedenbrücker Tor, als Tanju Öztürk eine Ecke aus acht Metern in den Winkel wuchtete und auf 1:1 stellte (65.).

 


Nicht zu halten – Tanju Öztürk belohnte seine starke Leistung mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1.

 

Absolut beeindruckend: Der Rückstand warf unsere Mannschaft keineswegs um. Im Gegenteil. Mit jedem gewonnen Zweikampf biss sich unsere Mannschaft wieder besser in das Spiel und hatte schnell durch Hendrik Lohmar die dicke Chance auf die erneute Führung, als er mit einem Hieb aus vier Metern an Robin Benz scheiterte (71.).

 


Sie haben eine neue Freundschaftsanfrage – Saban Kaptan und Tanju Öztürk freuen sich schon auf die 93. Spielminute.

 

Schwarzblau erhöhte jetzt minütlich die Schlagzahl und drängte die Gäste immer tiefer in die eigene Hälfte. Als das Spiel schon quasi vorbei, Schiedsrichter Visse breits die Luft für den Schlusspfiff in seinen Backen gesammelt hatte, feuerte Lukas Demming einen letzten Schuss auf das Gästetor ab, Robin Benz ließ das Geschoss abprallen und Niklas Szeleschus staubte trocken zum 2:1 Siegtreffer ab und bei seinem anschließenden Torjubel weder von zehn Pferden, fünfzehn Lassos oder seinen gesamten Mannschaftskollegen zu halten.

 

Gekickt wurde anschließend nicht mehr, nur noch gefeiert. Und das zurecht, denn mit dem Sieg über RW Oberhausen springt die Elf von Daniel Brinkmann auf einen einstelligen Tabellenplatz und stellt sogar den Kontakt zum oberen Tabellendrittel her.

 

Weiter geht es für unsere Mannschaft bereits am kommenden Mittwoch mit einem Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 U23, Anstoß im umgebauten Parkstadion ist um 19:00 Uhr.

 

Titelfoto: Marina Brüning