21.08.2021 - 1:0 Sieg über RW Oberhausen

Ausgezeichnet ekelhaft

Wenn man mit dem Prädikat „ekelhaft“ belegt wird, bedeutet das in neun von zehn Lebenssituationen, dass man recht eindeutig auf dem Holzweg ist.

 

Als aber heute nach dem Spiel gegen RW Oberhausen deren Trainer Mike Terranova hochachtungsvoll von einer „eckelhaften“ Wiedenbrücker Mannschaft sprach, gegen die man früh in Führung gehen muss, weil es sonst sauschwer wird, klang hingegen wie ein Ritterschlag.

 

Denn zuvor hatte unsere Mannschaft den ehemaligen Zweitligisten in unfassbar intensiven 95 Minuten mit 1:0 (1:0) niedergerungen und sich in einer Partie, die geprägt war von Teils brachialsten Zweikämpfen behauptet und am Ende zwar etwas glücklich aber auch nicht unverdient durchgesetzt.

 


Volle Hütte – Die Hauptribüne inklusive ihrer nigelnagelneuen Sitzschalen war endlich mal wieder pickepacke voll. Die Stimmung wurde aufgrund der guten Leistungs unserer Elf zudem von Minute zu Minute besser.

 

Der verletzte Oliver Zech (Fingerbruch) und der kränkelnde Hendrik Lohmar (Erkältung) raus, dafür Tim Geller (Innenverteidigung) und Saban Kaptan (Halbrechts) rein und schon begann eine maximal umkämpfte Partie, die den 450 Zuschauern in Jahnstadion zwar nicht zwingend Fußball 2000 bot, aber dafür Leidenschaft, Tempo und zwei Teams die auch ihre letzten Muskelfaser für einen Sieg bei ebay meistbietend versteigert hätten (Um mal die Metapher mit der Schwiegermutter auszulassen).

 


Mehr ging nicht – In Zweikämpfen die bisweilen an römische Gladiatorenfilme aus den 60er Jahren mit Charlton Heston erinnerten, rieben sich beide Teams lange Zeit auf. Der starke Saban Kaptan blieb aber zum Glück ebenso unverletzt, wie Marcel Hölscher, der nach einem Luftkampf zunächst regungslos am Boden liegen blieb, nach Androhung einer Mund zu Mund Beatmung von Bjarne Pudel aber schnell wieder aufsprang.

 

Die mit einem 6:0 über den KFC Uerdingen glänzend gestarteten Gäste begannen auch in Wiedenbrück dominant und versuchten immer wieder über die Außenbahnen einen Hebel an die schwarzblaue Abwehr zu bekommen. Dort trafen sie allerdings auf die bestens disponierten Leon Tia und David Hüsing, die ihre pfeilschnellen Gegenspieler Anton Heinz und „Junior“ Oubeyapwa an die ganz kurze Leine legten und so quasi alle Oberhausener Angriffsbemühungen vor dem eigenen Strafraum den Wind aus den Segeln nahmen.

 

Die einzige echte Torchance der Gäste im ersten Durchgang resultierte dann auch aus einem Freistoß, an dessen Ende Nico Klaß die Kugel unter erhöhter Bedrängnis an den Innenpfosten köpfte (38.).

 

Zu diesem Zeitpunkt führte unsere Elf aber bereits mit 1:0, denn nach 22 Minuten hatte „Bene“ Zahn einen langen Diagonalball perfekt für Saban Kaptan an die Strafraumkante abgelegt, der die Kugel volley in den Giebel jagte und da er dies mit nennenswerter Rückenlage und einem nicht definierten Teil seines Außenrists tat, schien er zudem noch das ein oder andere physikalische Gesetz außer Kraft gesetzt zu haben.

 

Rauften sich beide Mannschaften im ersten Durchgang zumeist rund um die Mittellinie, stellte Daniel Brinkmann zu Beginn der zweiten Halbzeit auf ein etwas defensiveres 5:4:1 um und verriegelte damit den eigenen Strafraum nicht nur hermetisch, sondern schaffte auch Platz für mitreißende Konterszenen, die unsere Mannschaft unter den mittlerweile lautstarken Anfeuerungsrufen der Wiedenbrücker Zuschauern nur leider nicht final ins Ziel brachte. Scheiterte zunächst Niklas Szeleschus nach toller Harouz-Vorarbeit mit einer Volleyabnahme an Justin Heekeren (58.), verpasste anschließend Benedikt Zahn mit einem Kopfball knapp die Vorentscheidung (64.).

 


Wird immer besser – Said Harouz dribbelte nicht nur stark und bereitete mehrere Wiedenbrücker Chancen vor, sondern zog in dieser Szene Fabian Holthaus auch gleich mal die Buxe stramm.

 

Absolut bemerkenswert: Als speziell unsere Offensive aufgrund der weiten Wege und der hohen Temperaturen etwas der Sprit ausging, warf Daniel Brinkmann mit Beytullah Özer und Manfredas Ruzgis frische PS auf den Platz, die sofort zündeten und das Tempo in den Angriffen weiter hochhielten. So tauchte „Manni“ gleich zwei Mal frei vor Heekeren auf, sandte die Kugel aber zunächst am langen Pfosten vorbei (82.) und scheiterte im zweiten Versuch an einem starken Reflex des Fängers (85.).

 


Ein Typ, der zur Not auch mal mit dem Kopf durch die Wand läuft – „Manni“ Ruzgis sorgte nach seiner Einwechslung für neue Wucht im Angriff und lieferte den eindeutigen Beweis, dass wir in diesem Jahr neben „Bene“ Zahn mindestens noch einen weiteren echten Mittelstürmer im Kader haben.

 

Da unsere Mannschaft das 2:0 also mehrfach verfehlte und aufgrund zahlreicher Verletzungspause die Nachspielzeit auf über fünf Minuten anschwoll, musste im Jahnstadion doch noch lange gezittert werden.

 

Musste Marcel Hölscher im zweiten Durchgang nur ein Mal ernsthaft eingreifen, als er mit einem Reflex im Stile des jungen Clint Eastwood die Kugel mit einer Pistolero-Bewegung auf Hüfthöhe aus dem Eck boxte, benötigte er in der letzten Aktion auch etwas Glück, als nach einem Getümmel in seinem Strafraum die Kugel knapp an seinem Gehäuse vorbeirauschte.

 


Die Brockschnieder – Faust – Sorgte diese Geste bislang nur Großraum Bokel für einen Donnerhall, ist nun auch rund um den Oberhausener Gasometer klar: Wo Taktik-Tobi hinlagt, wächst erstmal keine Steinkohle mehr.

 

Dann waren die ersten drei Points der neuen Saison aber auch schon unter Dach und Fach und Daniel Brinkmann sehr gerne Trainer einer „ekligen“ Truppe: „Oberhausen hatte speziell in der erste Hälfte mehr Spielanteile. Wir hatten Schwierigkeiten unser Pressing auf den Platz zu bekommen, haben dennoch kaum etwas zugelassen. Wir haben in der 2. Halbzeit etwas umgestellt und dann mehr Räume zum Kontern bekommen. Bei zwei 100%igen Torchancen müssen wir das 2:0 machen. Im Großen und Ganzen war es eigentlich ein Unentschiedenspiel. Darum nehme ich die Aussage von „Terra“, dass wir eine eklige Truppe sind, gerne an, denn wir haben den Begriff heute absolut mit Leben gefüllt. Nach der Niederlage in Lippstadt war genau das unser Ziel.“

 


„Papa, bekomme ich jetzt ein Pony?“ – Nach der guten Leistung seiner Jungs und der entsprechenden Laune, dürfte die Anwort von Papi Daniel Brinkmann nicht „Ja“ oder „Nein“ gewesen sein, sondern eher ob es rosa, gestreift oder doch lieber ein Einhorn sein soll.

 

Weiter geht’s für den SC Wiedenbrück schon am kommenden Mittwoch mit einem Auswärtsspiel beim KFC Uerdingen. Anstoß im Stadion Velbert ist dann um 19:30 Uhr!