28.08.2021 - Drei Siege in sieben Tage

Die perfekte Woche

Viel mehr geht nicht: Sieben Tage, drei Spiele neun Punkte! Zum Abschluss der ersten englischen Woche in der Regionalliga West besiegt der SC Wiedenbrück den Bonner SC mit 3:1 (1:0) und schraubt an einem hochspannenden Fußballnachmittag die Punkte sieben bis neun auf die Tabelle.

 

Vier Tore, viele Aufreger, eine gelb-rote Karte und eine bärenstarke Wiedenrücker Mannschaft: Die gut 400 Zuschauer im Jahnstadion sahen ein tolles Fußballspiel, dass so ziemlich alles bot, was das Herz begehrt.

 

Im Vergleich zum Mittwochspiel beim KFC Uerdingen rückte Beytullah Özer für David Hüsing auf den Spielberichtsbogen, Fabian Brosowski ersetzte Niklas Szeleschus und in der Innenverteidigung feierte Tim Böhmer (für den angeschlagenen Tim Geller) sein Startelfdebüt.

 


Stabiler Auftritt – Tim Böhmer gab ein fehl- und tadelfreies Startelfdebüt ab.

 

Nachdem Schiedsrichter Lars Aarts die Partie um 14:02 Uhr mit einem beherzten Pfiff eröffnet hatte, stürmten unsere Jungs auch gleich mal direkt los und unterzogen die Bonner Defensive ein Stresstest in den Unterkategorien Sattelfestigkeit und Druckresistenz.

 

Als nach drei Minuten Fabian Brosowski die Kugel aus halblinker Position an das Außennetz jagte und nur eine Minute später Said Harouz mit einem wuchtigen Volleyschuss aus gut 18 Metern das 1:0 erzielte, hatten sich Bonn’s Kicker von ihrem Trainer bereits das Prädikat : „Viele saßen in der ersten Halbzeit gedanklich noch im Bus“, abgeholt, wie der Übungsleiter in der anschließenden Pressekonferenz festhielt.

 


Gute Besserung – Der bis dahin starke Said Harouz musste nach 27 Minuten mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden. Bis dahin überzeugte unser Neuzugang aus Homberg auf beiden Außenbahnen, als auch mit dem bemerkenswerten Treffer zum 1:0.

 

Denn auch in der Folge zeigte der SC Wiedenbrück eine blitzsaubere Leistung in der Benedikt Zahn erst an Bonns Fänger scheiterte und dann mit einem cleveren Schlenzer aus 35 Metern den linken Außenpfosten traf (6. und 38.). Der früh eingewechselte Niklas Szeleschus wurde nach starker Özer-Vorarbeit erst im Fünfer geblockt (36.) und zielte mit der nächsten Aktion nur um Esspapierbreite am langen Pfosten vorbei (40.).

 


Angekommen – Bei seiner bislang besten Leistung für den SC Wiedenbrück überzeugte Jan-Lukas Liehr nicht nur im Zentrum als Abräumer, sondern fädelte auch zahlreiche Angriffe ein.

 

Glück hatten die Gäste zudem kurz vor dem Halbzeitpfiff, als Torhüter Kevin Birk etwas ungelenk aus seinem Strafraum stürzte, Benedikt Zahn ohne Ballkontakt zu Boden rüpelte und dafür weder einen Freistoß noch eine (rote) Karte kassierte (43.).

 


0% Ball, 100% Körper – Nach Spielende stieß Benedikt Zahn mit Trainer Daniel Brinkmann mit einem Gläschen Rüpelsheimer Nierentritt an. Dem passenden Getränkt zur (zum Glück nicht entscheidenden) Szene kurz vor der Halbzeit.

 

Kurz: Der Fisch hätte schon zur Halbzeit poliert sein können, wenn nicht sogar müssen. Und so mischte sich in der Halbzeit bei den Zuschauern zwischen das anerkennende Kopfnicken ob der starken Leistung unserer Elf auch das Gefühl, dass auf dieses brachiale Auslassen der Torchancen eine Strafe folgen könnte.

 

Dieses Gefühl sollte nicht trügen, denn nachdem Fabian Broswowki direkt der Pause das 2:0 nur knapp verpasste, nutzten die Gäste ihren einzigen echten Torschuss des Tages zum 1:1 Ausgleich, als Kris Fillinger eine Hereingabe von der linken Seite über die Torlinie stocherte (54.).

 

Im Anschluss dauerte es einige Momente, ehe unsere Elf diesen bitteren Drops weggelutscht hatte. Aber nur um dann eine der bisherigen Stärken gnadenlos auszuspielen. Denn nach einer Stunde wechselte Daniel Brinkmann mit Hendrik Lohmar und Manfredas Ruzgis frisches Personal ein, das umgehend das Gaspedal wieder auf das Bodenblech drückte und die Spielrichtung wieder in Richtung Gästetor korrigierte.

Es dauerte keine zehn Minuten bis Enzo Wirtz gezwungen war Leon Tia mit einem ruckartigen Griff in das Joma-Polyester in Strafraumnähe zu Fall zu bringen und sich die gelbrote Karte einzuhandeln.

 

Anschließend hob Hendrik Lohmar die Kugel mit einem filigranen Streichler derart zärtlich in den Starfraum, dass Niklas Szeleschus gar nicht anders konnte, als die Kugel mit dem frisch gelegten Seitenscheiten (Codewort: Seiten auf Null) ins Bonner Gehäuse zu senden! (69.)

 


Doppelt Schmerzhaft – Im Rahmen seiner Polizeiausbildung hatte Niklas Szeleschus erst um 6:00 Uhr morgens nach der Nachtschicht die Stempelkarte durch den Automaten gezogen. Nachdem ihn nur fünf Stunden später der Wecker schmerzhaft aus dem Schlaf riss, gab es hier noch einen Tritt auf die Socken. Letztlich dürfte aber die Freude über seinen Treffer zum 2:1 überwogen haben.

 

Der Treffer wirkte wie eine chiropraktische Intensivbehandlung für das Wiedenbrücker Spiel. Denn plötzlich renkten sich alle Mechanismen wieder ein und die Bonner Abwehr sah sich einem Schwall schwarz-blauer Angriffe ausgesetzt, die jetzt von Manfredas Ruzgis angeführt wurden, dessen Wille nach dem ersten Tor aus all seinen Poren schoss.

 

Nachdem „Manni“ zunächst die Kugel noch am Tor vorbeigesetzt hatte (79.) und der ebenfalls eingewechselte und auffällig agierende Ousman Touray auch mehrfach einen Treffer verpasste, klingelte es in der dritten Minute der Nachspielzeit doch noch, als „Manni“ Bonns Fänger im 1:1 keine Chance ließ und die Kugel lässig aus zehn Metern über die Torlinie schob.

 


Die Entscheidung – Manfredas Ruzgis erzielt mit seinem ersten Treffer für den SC Wiedenbrück die Entscheidung.

 


Bemerkenswert – Das ist Teamgeist! Luca Beermann hatte sich nach Abpfiff in Windeseile einen originalen „Manni“ (vorne kurz und hinten auch) rasieren lassen, um am Abend in der Alten Tenne beim „Manfredas Ruzgis Doppelgängerwettbewerb“ sicher den ersten Platz abzuräumen.

 

Damit ging ein kurzweiliger Fußballnachmittag zu Ende, der nicht nur die 400 Zuschauer mehr als zufrieden in den wohlverdienten Samstagabend gleiten ließ, sondern zudem den SC Wiedenbrück auf Rang sechs der Tabelle vorrücken ließ. Sagt nach dem vierten Spieltag zwar noch nichts aus, aber trotzdem: Besser auf sechs als auf sechzehn!

 


Also da können wir mal gespannt sein – Was Ousman Touray noch so alles auf Lager hat. Nach seiner Einwechslung deutete der Ex-Münsteraner gleich mehrfach an, was er so alles drauf hat und welches Potenzial in ihm schlummert.

 

Da die Begegnung gegen die U23 des 1. FC Köln aufgrund von Nationalmannschaftsabstellungen abgesagt worden ist, geht es für den SCW erst wieder am 10.09.21 weiter. Dann steht das Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen an, Anstoß am Tivoli ist um 19:30 Uhr.