16.01.2021 - "Hölle" hält alles

Siegfried und Roy und Marcel Hölscher

Der SC Wiedenbrück knöpft RW Essen in einer unfassbar umkämpften Partie mit einem 0:0 bereits den zweiten Zähler der Saison ab und besticht dabei durch taktische Cleverness und die bissige Mentalität eines englischen Bearknuckle Fighters. Herausragender Akteur auf dem Rasen war allerdings Marcel Hölscher, der mit unglaublichen und an Magie grenzenden Paraden ganz Essen zur Verzweiflung trieb und nebenbei auch noch verhältnismäßig lässig einen Elfmeter von Simon Engelmann aus dem Eck fischte.

 

Taktisch und personell überraschte Daniel Brinkmann, indem er seine Mannschaft zwar im bewährten 4:3:3 starten ließ, die Ordnung jedoch je auf aktuell anliegende Essener Druckstufe temporär auf ein defensives 5:4:1 zusammenstauchen konnte.

 

Dazu reihte sich Oliver Zech, der auf der Sechs anspielte, immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger, Durim Berisha und Robin Twyrdy, ein und die beiden offensiven Außen Fabian Brosowski und Xhuljo Tabaku rückten eine Linie zurück und bildeten mit Lukas Demming und Bjarne Pudel den zweiten Verteidigungsgürtel.

 


Ordentlich Wumms – Hatte RWE in der Offensive in der ersten Hälfte. Aus vielen guten Essenern stach Amara Condé in dieser Phase heraus, der zahlreiche Angriffe einleitete.

 

Zudem verzichtete unsere Elf auf zu offensives Pressing, behielt stattdessen die Ordnung bei und lies nur Saban Kaptan in der Sturmspitze situativ anlaufen.

 

Bevor der geschmiedete Plan seine Tragfähigkeit aber vollumfänglich entfalten konnte, fand sich der SC Wiedenbrück für gut 25 Minuten im Auge eines rotweißen Orkans wieder. Denn wer hoffte, dass unsere Elf den Tabellenführer in Spiel eins nach der Winterpause eventuell auf dem Holzbein erwischen könnte, sah eine Essener Mannschaft, die immer wieder mit unfassbarer Wucht in den Wiedenbrücker Strafraum eindrang und sich zahlreiche Torchancen erspielte.

 

Los ging’s in der achten Minute, als Marcel Hölscher zunächst eine Volleyabnahme von Simon Engelmann abwehrte und anschließend noch den Nachschuss spektakulär von der Linie boxte.

 

Nur drei Minuten später verhinderte er gegen Isiah Young erneut einen Rückstand und sah sich gleich in der nächsten Aktion mit einem Strafstoß von Simon Engelmann konfrontiert, als zuvor David Hüsing den Essener Joschua Endress zu Fall gebracht hatte. „Hölle“ kratzte den Schuss von Engelmann aber ebenso humorlos aus dem Eck, wie wenig später einen Schuss des Regionalligatorschützenkönigs aus Nahdistanz und hatte mit der Aktion nach ungefähr 25 Minuten dann auch die erste Drangphase des Tabellenführers mit seinen Pranken beendet.

 


Eigentlich fehlten nur die weißen Tiger – Während Simon Engelmann in der Hinserie die gesamte Liga mit 18 Treffern kurz und klein schoss, führte auch für ihn heute kein Weg an Marcel Hölscher vorbei. Selbst den Strafstoß holte „Hölle“ aus dem Eck wie die beiden Zauberer einen Tiger aus dem Zylinder und war so Garant für den Punktgewinn gegen den Tabellenführer.

 

Denn fortan gelang es dem SC Wiedenbrück deutlich effektiver die Essener Kombinationen zu unterbinden und sich von Minute zu Minute hartnäckiger in den Zweikämpfe zu beißen.

 


Rigorose Hakelei – Saban Kaptan und seine Kollegen warfen jede Muskelfaser und jede Sehnenscheide in die Waagschale und wurden am Ende tatsächlich belohnt.

 

Als Folge daraus, besaß Lukas Demming nach 40 Minuten die erste schwarzblaue Torchance, als er eine Tabaku-Flanke am kurzen Pfosten nur um schneeflockenbreite am Tor vorbeiköpfte und anschließend gar mit dem Halbzeitpfiff eine 1000% Gelegenheit, als Bjarne Pudel urplötzlich fünf Meter vor dem Tor an den Ball geriet, die Kugel aber aus der Drehung nur an den Außenpfosten setzte.

 


Fast auf den Kopf gestellt – Der starke Bjarne Pudel hätte mit dem Halbzeitpfiff beinahe die Wiedenbrücker Führung erzielt.

 

Agierte RWE zu Beginn des Spiels kühl und in den Angriffen mit chirurgischer Detailversessenheit, rannte Essen im zweiten Durchgang deutlich emotionaler an und verbuchte in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs zwar noch zwei Tormöglichkeiten (Engelmann zielt vorbei, Marcel Hölscher friemelt einen Kopfball von Alexander Hahn aus dem Eck), musste dann aber mitansehen, wie sich unsere Mannschaft Zug um Zug auf Augenhöhe herankämpfte und dem Tabellenführer spätestens nach einer Stunde einen akkuraten Fight auf Augenhöhe anbot.

 

Für sich immer verwegener in die Zweikämpfe werfende Wiedenbrücker hatte Bjarne Pudel im zweiten Durchgang, die größte Chance, als er einen Flugkopfball nur knapp neben das Tor platzierte (79.).

 


Ein Pfiff hätte dem Foul gut getan – Dem beherzten Griff von Marco Kehl-Gomez an das Saller Polyester von Niklas Szeleschus hätte durchaus ein Elfmeter folgen können.

 

Den Matchball auf Essener Seite besaß der eingewechselte Marcel Platzek, der fünf Minuten vor Ende mit ansehen musste, wie Marcel Hölscher einen von ihm abgefeuerten Schuss gepardenartig an den Pfosten lenkte.

 

Damit war der erste Punkt des Jahres 2021 unter Dach und Fach, der in diesem Fall unter ganz besonders großem Druck geboren wurde und darum auch ganz besonders wertvoll sein dürfte.

 


Nächster Halt: Las Vegas – Direkt nach Abpfiff unterschrieb Marcel Hölscher einen Vertrag mit dem Mirage, in dem im kommenden Jahr der Zaubertrick rund um den gehaltenen Elfmeter als Musical aufgeführt wird. In der Rolle des jungen Torwart-Helden Marcel: Florian Silbereisen, den tragischen Elfmeterschützen übernimmt Sascha Hehn.

 

„Ich denke es war kein unverdienter Punkt. Auch wenn Essen zu Beginn viele Chancen hatte. Wir hatten heute einen phantastischen Marcel Hölscher und haben gezeigt, dass wir ein Ergebnis bis auch mal verteidigen können“, war Daniel Brinkmann mit dem Spiel seiner Jungs mehr als zufrieden und hat nun die Chance den einen Zähler mit einem Sieg beim FC Wergberg – Beeck am kommenden Samstag zu vergolden.